Auslandszivildienst in El Salvador - das beste Jahr meines Lebens!

3년 전

Schon vor einiger Zeit habe ich mich in meinem deutschen introduceyourself Beitrag der deutschsprachigen Steemit Community vorgestellt, aber schlussendlich bis jetzt ausschließlich Beiträge auf Englisch gepostet. Ich habe lange überlegt meine Post sowohl in Englisch als auch in Deutsch zu verfassen, mich aber im Endeffekt aus Gründen der Leserlichkeit und des doch nicht unbedeutenden Mehraufwands dagegen entschieden. Da ich nun aber schon seit fast zwei Monaten auf Steemit aktiv bin und bis jetzt nicht einen einzigen Beitrag auf Deutsch verfasst habe, will ich das nun mit diesem Post ändern.

Doch worüber soll es in diesem Beitrag eigentlich gehen? Wie an der Überschrift schon zu erkennt ist, möchte ich in diesem Post über meinen Zivildienst in El Salvador berichten und andere junge Menschen dazu animieren, die tolle Möglichkeit eines Auslandszivildienstes zu nützen.

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Zivildienst in El Salvador und am Wochenende mal schnell den Kratersee eines Vulkans bestaunen. Kann es etwas besseres geben?!

Angefangen hat alles an dem Tag meiner Stellung. Mit 18 Jahren muss jeder männliche Jugendliche in Österreich zur Stellung um seine Tauglichkeit testen zu lassen. Nach zwei intensiven Tagen, einigen medizinischen Tests und diversen Vorträgen, erfährt man dann, ob man tauglich ist und kann sich dann zwischen neun Monaten Zivildienst in einer sozialen Einrichtung in Österreich oder sechs Monaten Bundesheer entscheiden.

Eine dritte Möglichkeit, von der scheinbar nur wenige wissen oder erst zu spät erfahren, ist der Zivilersatzdienst im Ausland über die Dauer von einem Jahr!

Auch ich hatte keine Ahnung, dass die Möglichkeit bestand, einen Zivildienst im Ausland zu leisten. Doch ich hatte Glück, dass meine ältere Schwester im Zuge der Vorbereitung auf ihr Freiwilliges Sozialen Jahres in Ecuador zwei Zivildiener kennen lernte, die genau das vorhatten. Ich war damals 16 Jahre alt und hatte noch nicht viel darüber nachgedacht, welchen Art von Zivildienst ich machen wollte. Ich wusste gerade einmal, dass das Bundesheer für mich nicht in Frage kam und hoffte insgeheim, dass ich aufgrund einer Verletzung meines Knies, für untauglich erklärt werden würde. Die Option ins Ausland zu gehen und dort ein Jahr zu verbringen, hörte sich zwar spannend an, zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir so etwas aber einfach nicht vorstellen.

Zwei Jahre später, als ich meinen positiven Tauglichkeitsbericht in der Hand hielt, sah das ganze schon anders aus. Ich hatte mich anhand der Trägerliste des Innenministeriums über alle Organisationen und Länder welche einen Zivilersatzdienst anbieten informiert und begann nach und nach Bewerbungsschreiben zu verschicken. Da ich unbedingt in ein spanischsprachiges Land wollte und ich auf Grund meiner HTL Ausbildung meine Stärken vor allem im technischen Bereich sah, schränkten sich meine Optionen rasch ein.

Nach einem Vorstellungsgespräch bei einer der Trägerorganisationen in Salzburg, stand meine Entscheidung fest – ich würde in wenigen Monaten meinen Zivilersatzdienest in El Salvador beginnen! Zusätzlich zwei Monate Spanischkurs vor Ort (genauer gesagt im Nachbarland Guatemala) und einige Vorbereitungstreffen waren Voraussetzung dafür.

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In der wunderschönen Kolonialstadt Antigua Guatemala würde ich Spanisch lernen und die ersten beiden Monate verbringen


Kurz nach meiner Matura war es dann so weit. In mehreren Vorbereitungstreffen hatte ich mehr über meinen Einsatzort und meine möglichen Arbeitsfelder erfahren und in Gesprächen mit ehemaligen Auslandszivildienern versucht, mich so gut wie möglich vorzubereiten. Doch spätestens als ich mich von meiner Familie verabschiedet hatte und im Flugzeug saß, lagen meine Nerven blank.

War ich wirklich bereit dazu 14 Monate ganz auf mich alleine gestellt in einem fremden Land am anderen Ende der Welt zu verbringen? Wie würde ich mich mit der Gastfamilie, bei der ich die ersten zwei Monate während meines Sprachkurses verbringen würde, verständigen? Wie schwierig würde es werden mich einzuleben und mich an eine mir völlig fremde Kultur anzupassen? Diese und viele andere Fragen schwirrten durch meinen Kopf und raubten mir während des ganzen Fluges den Schlaf. Doch wie sich schon bald herausstellen sollte, waren viele dieser Sorgen unbegründet und die Entscheidung meinen Zivildienst in El Salvador zu leisten, sollte sich als die beste meines Lebens herausstellen!

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Nun gab es kein Zurück mehr!

Natürlich waren vor allem die ersten Wochen nicht einfach, doch ich widmete mich voll und ganz meinem Spanischkurs und verbrachte meine Wochenenden damit, durch Guatemala zu reisen und das Land zu erkunden – für Heimweh blieb hier wenig Zeit! Ich hatte es nicht wirklich für möglich gehalten, doch nach nur zwei Monaten hatte sich mein Spanisch so weit verbessert, dass ich mich ohne große Probleme verständigen konnte und auch bei komplizierteren Themen durchaus mitreden konnte. Natürlich hatte mein Vokabular noch einiges an Verbesserungspotential, doch dafür hatte ich immer noch ein Jahr lang Zeit – mein eigentlicher Zivildienst in El Salvador sollte ja erst beginnen!

Und auch in El Salvador brauchte es abermals eine gewisse Eingewöhnungsphase bis ich mich eingelebt hatte, mich an den lokalen Dialekt gewöhnte und bis sich herausstellte, in welchen Bereichen ich arbeiten sollte und wie ich mich am besten einbringen konnte. Ich wohnte in einem kleinen Dorf, etwa eine Stunde entfernt von der Hauptstadt San Salvador. Als Transportmöglichkeit wurde mir ein Motorrad zur Verfügung gestellt, mit welchem ich unter der Woche in die Arbeit fahren konnte und an Wochenenden dazu nützte, das Land zu erkundigen.

Den Großteil meiner Arbeitszeit verbrachte ich bei einer lokalen Organisation namens Aprainores, einer der Partner meiner Trägerorganisation aus Salzburg. Aprainores entstand 1995 und etablierte sich als einer der wichtigsten Arbeitsgeber im Bajo Lempa, einer ländlichen Gegend in der Nähe meines damaligen Wohnortes. Das Bajo Lempa war ein im Bürgerkrieg sehr stark involviertes Gebiet El Salvadors in dem es nach Kriegsende 1991, wenig Arbeit für die Bevölkerung gab. Heute bietet die Organisation in diesem ländlichen Gebiet, Arbeit für mehr als 70 Personen (mehrheitlich Frauen) und stellt eine wichtige wirtschaftliche Komponente für das Bajo Lempa und deren EinwohnerInnen dar.

Aprainores trocknet Cashewnüsse und Früchte, welche sowohl im Inland verkauft als auch exportiert werden. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf qualitativ hochwertige Produkte gelegt, die im Einklang mit der Umwelt (Solartrockenanlagen) und als Fairtrade- und Bioprodukte hergestellt werden. Durch das Wissen, das ich bereitstellen konnte, versuchten wir vor allem im Multimediabereich (Website, Etikettierung der Produkte, Werevideos, usw.) Aprainores national als auch international besser vermarkten zu können. Außerdem ging es um die Wiederverwertung vermeintlicher Abfallprodukte. Hier arbeitete ich beispielsweise an einer Verbrennungsanlage der Cashewnussschalen (vermeintliches Abfallprodukt) zur Aufbereitung von Warmluft, um so kostengünstig auch nachts (ohne Solarenergie) die Trockenanlagen im Betrieb halten zu können.

Da der Export der Früchte und Nüsse eine wichtige Einnahmequelle für Aprainores darstellt, spielte hier die passende Etikettierung der Produkte eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit dem Team von Aprainores arbeitete ich unter anderem an der Gestaltung der Etiketten, an einer Website und einem Onlineshop. Abgesehen vom Multimediabereich, versuchte wir ebenfalls die Arbeitsbedingungen im Schälprozess zu verbessern. Da das Entfernen der Cashewnussschalen ein mechanisch anstrengender und eintöniger Prozess für die ArbeiterInnen ist, wird hier an der Automatisierung dieser Arbeitsschritte gearbeitet, um so die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

In diesem kurzen Video, dass im Laufe des Jahres in Zusammenarbeit mit einem weiteren Zivildiener entstanden ist, wird Aprainores vorgestellt

Doch halt! Hört sich das alles nicht eher nach der Arbeit eines Technikers an und kann man dies nun überhaupt als „sozialen Dienst“ bezeichnen? Auch ich denke bei Sozialdienst zu aller erst an Betreuung von Kindern und Jugendlichen oder an die Pflege von älteren Menschen. Doch ich denke, dass hier auch meine Arbeit hineinpasst. Es ging dabei nämlich viel weniger um die Technik an sich, sondern darum Wissen weiterzugeben und auszutauschen und so zu versuchen Arbeitsbedingungen zu verbessern, neue Arbeitsplätze zu kreieren und dadurch neue Perspektiven zu schaffen.

Die Möglichkeit meinen Zivildienst im Ausland zu leisten, war denke ich vor allem für mich persönlich eine unvergessliche Erfahrung. Abseits von den großartigen Menschen mit denen ich vor Ort zusammenarbeiten durfte und der Chance meine eigenen Fähigkeiten mit meinen Kollegen vor Ort zu teilen und weiter zu entwickeln und so die Organisationen vor Ort zu unterstützen, sehe ich dieses Jahr vor allem für mich als eine riesige Bereicherung. Eine neue Sprache, neue Kulturen, ein neues Land und viele neue Freunde und Erfahrungen sind nur einige der Dinge, die ich rückblickend nicht missen möchte.

Ich denke, dass viel mehr junge Menschen diese tolle Möglichkeit nutzen sollten. Die österreichischen Trägerorganisationen bieten Zivilersatzdienste in den Bereichen Friedensdienst, Gedenkdienst oder eben Sozialdienst an. Wen es also reizt ins Ausland zu gehen, sollte unter dieser riesigen Auswahl auf jeden Fall das passende für sich finden.

Ich hoffe euch hat mein Bericht gefallen und freue mich über jeden Kommentar und jedes Upvote!

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Hört sich alles sehr spannend an! Bitte mehr Reise/Erlebnisberichte auf Deutsch! (:

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Danke für das positive Feedback! Ich werde versuchen mehr Reiseberichte auf deutsch zu schreiben :)

Hallo @ninolatino,
super, dass du jetzt auch in Deutsch schreibst, sonst hätte ich deinen Blog wohl kaum entdeckt ;)

Sehr interessanter Bericht über dein Zivildienstjahr in El Salvador! Muss mir gleich mal deine anderen Reiseberichte über Zentralamerika ansehen :)

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Freut mich dass auch mein erster deutscher Beitrag anklang findet. Danke! :)

Qurator
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