Von "Pilzen" und anderen Dingen

4개월 전

Der Herbst naht und so zieht es die Pilzsammler wieder in die heimischen Wälder. Auch Sondengänger zieht es jetzt vermehrt in die Natur und auch diese finden hin und wieder "Pilze" der besonderen Art. Ich möchte im Folgenden nun einige Arten beschreiben, auf die man häufiger trifft. Allen diesen Arten ist gemein, dass sie erst seit den 1940 er Jahren in unseren Gefilden zu finden sind.

Beginnen wir mit dem am häufigsten zu findenden Exemplar, dem Gemeinen Flintenläufling (lat. Mortiferum sagitta). Der Gemeine Flintenläufling ist ein recht kleiner "Pilz", ca. 3,5 cm lang und in der Regel zwischen 7,62 und 7,92mm dick. Er existieren einige Unterarten, wie z.B. Mortiferum sagitta usatica, Mortiferum sagitta britanica, Mortiferum sagitta gallica oder Mortiferum sagitta russia. All diese besitzen am Fuß ein umlaufendes Muster aus leichten Rillen und Erhebungen in Form eines leichten Dralls.
Gemeiner Flintenläufling
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Bildquelle: Google

Die meisten Exemplare sind harmlos, aber es existieren auch Mutationen dieses "Pilzes" (Mortiferum sagitta explosiva), die fatalerweise ein sporengefülltes Inneres besitzen und beim unsachgemässem Sammeln diese auch gerne einmal explosionsartig in der Umgebung verteilen. Ich rate dazu, Mortiferum sagitta nicht ins Sammelkörbchen zu legen, weil Mortiferum sagitta und Mortiferum sagitta explosiva äußerlich nicht zu unterscheiden sind.
Mortiferum sagitta explosiva

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Bildquelle: Google

Kommen wir nun zu einem etwas größeren Vertreter, dem Amerikanischen oder auch Britischen Luftling (lat. Aeronauticus usatica oder auch Aeronauticus britanica). Schon in der Größe unterscheidet er sich von Mortiferum sagitta, ist er doch über 6cm lang und 12,7mm dick.
Aeronauticus usatica bzw. Aeronauticus britanica

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In der Regel harmlos existieren aber auch hier Mutationen, von denen eine tödliche Gefahr ausgehen kann. Zum Glück sind diese Mutationen in der Regel sehr leicht erkennbar, besitzen sie doch einen auffälligen bunten Ring am Köpfchen.
Urtyp und Mutationen

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Insbesondere Exemplare mit bläulichen Ringen sollten nicht in unser Sammelkörbchen gelegt werden, da auch sie dazu neigen können, ihr sporengefülltes Inneres in Verbindung mit einer thermischen Reaktion in ihrer Umgebung zu verteilen. Ich persönlich belasse sie am Fundort, sicher ist sicher.

Als Nächstes sprechen wir über die Familie der Gereisten Sprenglinge (lat. Qui per aerem iter). Die Gereisten Sprenglinge stellen eine sehr große Familie dar, deren Größe und Dicke sich erheblich voneinander unterscheiden kann. Es gibt Exemplare von 2cm Dicke bis hin zu 30cm Dicke
Gereister Sprengling, 8,8cm

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Bildquelle: Google

Letztere sind aber in unseren Gefilden so gut wie gar nicht vertreten. Spätestens wenn man einen Vertreter der Gereisten Sprenglinge gefunden hat, ist es an der Zeit, den zuständigen "Förster" zu informieren. Alle diese Exemplare stellen eine erhebliche Gefahr für Flora und Fauna dar und sollten deshalb von Fachpersonal aus der Natur entfernt werden. Insbesondere von Exemplaren, die das schon beschriebene Rillenmuster am Fuß besitzen, geht größte Gefahr aus. Ihr naturgegebener Mechanismus zur Verteilung der Sporen wurde bereits aktiviert und kann bei der kleinsten Erschütterung auslösen. Daher gilt hier, Finger weg!

Ich möchte noch auf ein weiteres Exemplar eingehen, den Flachköpfigen Sprengling (lat. Mina explosiva). Der Fruchtkörper des Flachköpfigen Sprenglings verbirgt sich, wie der bekannte Trüffel auch, IM Boden.
Flachköpfiger Sprengling

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Bildquelle: Google

Besonders häufig ist er auf unbestellten Wiesen und in Wäldern zu finden. Dort stellt er immer eine Gefahr für Flora und insbesondere Fauna dar. Auch hier ist umgehend der zuständige "Förster" zu informieren. Der Flachköpfige Sprengling kommt in verschiedenen Größen und Formen daher und es ist nicht immer leicht, ihn sofort zu erkennen. Besonders unerfahrene Sammler sind deshalb stark gefährdet. Der Flachköpfige Sprengling ist absolut tödlich und die kleinste Berührung kann ausreichen, seinen natürlichen Abwehrmechanismus zu aktivieren.

So ihr Lieben, der vielleicht etwas überspitzte Text hat einen ernsten Hintergrund. Auch ich durfte bereits den Kampfmittelräumdienst kontaktieren, weil ich eine bereits verschossene Panzergranate gefunden habe. Ein anderes Mal war ich bei einer Feldbegehung einer archäologischen Gruppe eines Heimatsvereins dabei, als eine amerikanische Mörsergrante größeren Kalibers zutage kam.

Vor Kurzem war ich mit einem Sondengänger auf den Feldern hier in der Umgebung unterwegs, der gerade neu in das Hobby eingestiegen ist. Auf die Frage, ob er sich denn mit Kampfmitteln auseinandergesetzt hätte, kam nur ein "Nein, ich hoffe so etwas nicht zu finden." Wir begannen also mit der Suche und es kam, wie es kommen musste. "Was habe ich denn hier?" rief er nach kurzer Zeit. Es war das Fallgewicht einer Stabbrandbombe. Üblicherweise saß der Zünder bei Stabbrandbomben mittig, also weit vom Fallgewicht entfernt. Es gab aber Ausführungen, die besaßen einen zweiten Zünder, einen Explosivzünder - und der war am Fallgewicht angebracht. Solch ein Exemplar hatte er gefunden. Zu seinem Glück war der Zünder aber schon komplett korrodiert, somit war der Zünder außer Gefecht gesetzt.

Ein mir persönlich bekannter Sondengänger mit schlichtem Gemüt erzählte mir einmal, dass er eine Patrone, die ich weiter oben als Amerikanischen oder Britischen Luftling beschrieben habe, in die Glut eines Kugelgrills der Marke "Weber" geworfen habe. Er wollte wissen, ob die einen Kern aus Blei hat. Ich frage mich ernsthaft, was bei manchen Menschen in der Denkzentrale vor sich geht. Jedenfalls existierte dieser Grill nach zwei Minuten nicht mehr. Er hatte den blauen Ring an der Spitze des Geschosses "übersehen". Kleinste Reste dieser Farbe fanden sich noch an den Überresten des Grills.

Im vergangenen Jahr rief mich ein Freund an. Er hatte zwei Jahre zuvor ein altes Gasthaus mit großem Garten gekauft. Er wollte den Garten neu gestalten und begann eine Terrasse anzulegen. Dazu stach er eine Rasenfläche aus und stieß mit dem Spaten auf etwas Metallenes. An diesem Tag feierte er drei Mal Geburtstag. Er hatte nämlich den Zünder einer im Rasen verborgenen Mörsergranate getroffen, was er zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste. Das war der erste Geburtstag an diesem Tag. Er grub weiter und rüttelte das seltsame Eisenteil aus der Erde. 2. Geburtstag. Als er es schließlich geborgen hatte, erkannte er, was es war und ließ es vor Schreck fallen. 3. Geburtstag. Er fragte mich, was er denn jetzt tun könne, und ich sagte ihm "Ruf sofort den Kampfmittelräumdienst an!" Es dauerte keine Stunde und zwei Mitarbeiter des KMRD waren vor Ort. Sie bargen drei weitere Granaten aus der unmittelbaren Umgebung der ersten Fundstelle.
Zu seinem Glück war auch hier der Zünder der ersten gefundenen Granate durch vollständige Korrosion außer Gefecht gesetzt. Hätte er an diesem Tag nur wenige Zentimeter entfernt in den Rasen gestochen und dabei einen der beiden intakten Zünder der restlichen Geschosse getroffen - man mag es sich nicht ausmalen.

Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg sind auch heute noch eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Nicht zuletzt ein Beispiel aus dem Jahr 2019 belegt das, als sich in der Nähe von Limburg eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe von selbst entzündete.
Krater bei Limburg

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Bildquelle: wiesbaden112.de

Seid also bitte vorsichtig, wenn ihr euch unbekannte Metallgegenstände findet, egal ob im heimischen Garten oder in freier Natur.

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🤦‍♂️ ohje wenn ich so an meine Kindheit Denke da schaudert es mich jetzt noch, das Munition aber auch so interessant ist für Heranwachsende
Interessanter Post
VgA

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Man bedenkt in jugendlichem Alter die Folgen nicht, das macht die Sache so gefährlich.

Wenn's das Wort "Infotainment" nicht schon gäbe, müsste ich es jetzt erfinden für diesen deinen Post - das war mal vergnüglich zu lesen und reichhaltig im Inhalt!
Danke!

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Danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass dir mein Post gefallen hat.

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Oh ja - sehr sogar!
Die hübschen Namen der "Pilze" und alles!

Zu Beginn dachte ich, dass Du heimlich über den Truppen Übungsplatz getapert bist und wollte Dich noch vor Tigern und Leopard II Tierchen warnen. Dann bekam der Text allerdings eine Drehung. Tja, wundern müssen wir uns ja nun wirklich nicht bei unserer Vergangenheit. Einigen Glatzen würde es guttun, derartige Posts zu lesen. Dein Bericht weckt auch traurige Gedanken in mir. Meine Uroma hat 5 ihrer Kinder im Krieg verloren. Eine starke Frau, die dann mit 105 Jahren starb. Upps, ich schweife ab. Der Bericht ist nämlich auch stark:-)

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Du wirst mich niemals auf oder in der Nähe solcher Platze finden. Das verbietet mir schon allein der gesunde Menschenverstand. Außerdem würde ich dort nichts finden, was für mich von Interesse ist.
Die Wendung war von mir ja so geplant. Ich wollte im Vorfeld nur kurz andeuten, dass man solches Zeug auch heute noch findet und wie gefährlich es sein kann.
Du würdest dich wundern, wie viele Glatzen sich für dieses Hobby interessieren. Das sind dann die Menschen, die in Gebieten wie dem Hürtgenwald, den Seelower Höhen oder dem "Kessel von Halbe" unterwegs sind und systematisch nach Nazi-Devotionalien suchen. Zum Teil werden, wenn menschliche Überreste gefunden werden, die Erkennungsmarken und sämtliche persönliche Habe des dort gestorbenen Menschen an sich genommen. Somit wird man diesen Menschen NIE identifizieren können und ein weiteres Schicksal bleibt ungeklärt. Wenn sie wenigstens wie es eigentlich üblich sein sollte, die Erkennungsmarke an dem Toten belassen würden und das Rote Kreuz oder die WASt (Wehrmachtsauskunftsstelle) informierten ... aber soweit denken diese geistigen Tiefflieger leider nicht.

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Hilfe, manchmal übertrifft die Realität jegliche Fiktion.

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Traurig, aber wahr.

Herrlich - und schlimm.

Umso mehr unverständlich, wie inflationär bis heute Sprengmittel eingesetzt werden, die noch viele, viele Jahre Gefahren bleiben, wenn der betreffende Krieg schon längst passè ist...

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Da gebe ich dir völlig recht. Sprengmittel gehören verboten. Landminen sind die schlimmsten Waffen. Schau nach Vietnam, wo noch immer Menschen durch Landminen verletzt oder getötet werden.

Das war echt unterhaltsam :-).

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Ich danke dir 🙂. Man kann ernste Themen auch etwas humorig verpacken, das war meine Absicht.

Toller Beitrag von dir. Ich überlege die ganze Zeit welche Zubereitungsmethoden für solche gefunden Exemplare infrage kommen.

Ich bin für kurzes Anbraten - dann ist es sicherlich eine Geschmacksexplosion :)

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Danke dir🙂. Ich denke, die Geschmacksexplosion wäre nur von kurzer Dauer. Die Zubereitung sollte man besser erfahrenen "Köchen" überlassen, ähnlich wie beim Fugu.

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Ui, gewohnt humorig! Das freut mich zu lesen!